Wie gefährlich ist eine Reise nach Marokko?

Eine „unkalkulierbare Gefahr“ gehe von Marokko aus, titelt die ZEIT im August 2017. Durch die Zerschlagung des Islamischen Staates (IS) seien lokale Dschihadistenmilizen wieder in den Vordergrund gerückt. Eine reale...
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Eine „unkalkulierbare Gefahr“ gehe von Marokko aus, titelt die ZEIT im August 2017. Durch die Zerschlagung des Islamischen Staates (IS) seien lokale Dschihadistenmilizen wieder in den Vordergrund gerückt. Eine reale Gefahr für Urlauber und Reisende? 

Durch das Open-Skies-Abkommen zwischen Marokko und Europa ist es dem nordafrikanischen Land in den vergangenen Jahren gelungen, seine ohnehin hohen Besucherzahlen noch weiter in die Höhe zu treiben. Allein 2017 besuchten über 11 Millionen Touristen das beliebte Reiseziel im Maghreb. Günstige Flüge nach Marokko, insbesondere in die Touristenstädte Fés und Marrakech, sind mittlerweile schon ab 30 Euro zu bekommen. Und dank Airbnb ist es mittlerweile auch problemlos möglich, auch in den entlegenen Gebieten rund um denen Hohen Atlas eine preiswerte Unterkunft zu finden.
Eine verlockende Situation für radikalislamische Terrormilizen, die auf der Jagd nach westlichen Reisenden sind, könnte man also meinen. Wie sicher ist eine Reise durch Marokko also wirklich? Und wie weit kann man sich auch abseits der ausgetretenen Pfade bewegen?

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Marokko: Wie ist die Sicherheitslage abseits der Touristenströme? (Bildquelle)

Die einfache Antwort ist: keine Panik, Marokko ist sicher. Und mit sicher meine ich, dass ein Urlaub in Marokko wahrscheinlich genauso sicher ist wie ein Urlaub in Belgien. Das Auswärtige Amt schreibt zur Sicherheitslage in Marokko:

Marokko verfügt über sehr effektiv arbeitende Sicherheitsbehörden. Die Staatsgewalt wird in allen Teilen des Landes effektiv und uneingeschränkt ausgeübt. Dennoch gibt es auch in Marokko und insbesondere für ausländische Staatsangehörige eine abstrakte Gefährdung durch islamistisch motivierten Terrorismus.

Marokko: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes (Quelle)

Die genannte „abstrakte Gefährdung durch islamistisch motivierten Terrorismus“ bezieht sich vielmehr auf die weltweit erhöhte Gefahr terroristischer Anschläge und Entführungen. Es ist also eher als kluger Ratschlag zu verstehen, sich grundsätzlich der Allgegenwärtigkeit radikaler Tendenzen in allen Teilen der Welt gewahr zu werden. 

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Agadir, Marokko (Bildquelle)

Weiterhin schreibt das Auswärtige Amt:

Eine Anschlagsgefahr besteht insbesondere in Ländern und Regionen, in denen bereits wiederholt Anschläge verübt wurden oder mangels effektiver Sicherheitsvorkehrungen vergleichsweise leicht verübt werden können, oder in denen Terroristen über Rückhalt in der lokalen Bevölkerung verfügen.

Marokko: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes (Quelle)

Nun gab es in Marokko in der vergangenen Zeit genau zwei Terroranschläge, einmal in Marrakesch im Jahr 2011 und einmal in Casablanca im Jahr 2003. Der Anschlag in Casablanca war zwar islamistisch motiviert, muss allerdings auch im Kontext der damals äußerst spannungsreichen Situation zwischen Al-Quida und der westlichen Welt sowie dem Einmarsch der US-geführten Kriegskoalition in den Irak am 19. März 2003 betrachtet werden. Der Anschlag in Marrakesch wiederum hatte nach bisherigen Erkenntnissen keinerlei Bezug zum Dschihad oder zum Terrorismus.

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Weit weniger schlimm als man denkt: die Sicherheitslage in Marokko (Bildquelle)

Außerdem kann man Marokko sicherlich keinen Mangel an „effektiven Sicherheitsvorkehrungen“ vorwerfen, zumal der marokkanische König Mohammed VI. den Kampf gegen den Terrorismus und die Demokratisierung und Modernisierung des Landes seit jeher als gleichgewichtige Aufgaben ansieht.
Und dass Terroristen über einen Rückhalt in der marokkanischen Bevölkerung verfügen, darf sehr stark bezweifelt werden. Warum auch – die wirtschaftliche Lage des Landes ist gut, der Tourismus floriert und die Unterstützung der westlichen Welt ist Marokko sicher. Warum? Marokko war das erste Land auf der Welt, das die frisch gegründeten USA im Jahr 1777 offiziell anerkannte. Der „Moroccan-American Treaty of Friendship“ von 1783, unterschrieben unter anderem von Thomas Jefferson, ist der längste ungebrochene Freundschaftsvertrag der USA mit einem anderen Staat. 

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Moin, ich bin Julian. Mir wurde einmal gesagt, dass Symmetrie die Kunst des kleinen Mannes sei. Deshalb schreibe ich hier in schöner Unregelmäßigkeit über das Reisen, über Fotografie, über Technik und über andere Dinge, die andere vielleicht auch anders sehen.
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