Enthüllt: GoPro stellt die neue Hero 5 Black vor

Gehäuse weg, GPS und Sprachsteuerung rein, Preis runter, Display nun serienmäßig

Zwei Jahre hat GoPro seit der Vorstellung der Hero4 im Herbst 2014 auf sich warten lassen. Gestern wurde sie offiziell vorgestellt: die neue GoPro Hero5 Black. Was kann das neue Flaggschiff des legendären Actioncam-Herstellers? Ein kritischer Blick auf die Spezifikationen des kleinen Tausendsassas.

 

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Was ist neu an der GoPro Hero 5 Black?

Die Optik:

Was zuerst auffällt, ist das neue Design der Hero5 Black. Das Flaggschiff der GoPro-Reihe kommt erstmals in einem mattgrauen Unibody-Gehäuse, ähnlich dem Einstiegsmodell von GoPro, der GoPro Hero. Das Display wirkt, als habe es einige Bildpunkte mehr spendiert bekommen, um die Aufnahmeeinstellungen besser abbilden zu können. Auch die Sortierung auf dem Display hat sich geändert. Außerdem wurde die neue GoPro ihres markanten Front-Buttons beraubt, der sie in allen Vorgängermodellen zum Leben erweckte und im Menü als „Nach-unten-Knopf“ fungierte. Die rote Betriebs-LED wurde nach der Hero4 abermals verschoben. Statt neben dem Display blinkt die kleine Leuchte nunmehr in der oberen linken Ecke der Gehäusefront.

 

Die Technik:

Kommen wir zum interessanten Part – das Innenleben der neuen Hero5 Black. Genau zwei Jahre haben sich die Entwickler Zeit gelassen, um an neuen Gimmicks zu tüfteln und der beliebtesten Actioncam des Marktes neue technische Raffinessen zu verpassen.

Die ernüchternde Wahrheit ist: In puncto Auflösung und Framerate hat sich gar nichts getan. Offensichtlich werkelt in der neuen Hero5 Black noch immer der bewährte Ambarella A9 Bildprozessor aus der Hero4 Black, der die Speicherkarte mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde in Ultra-HD-Auflösung (4K) versorgt. Auch in der Full-HD-Auflösung (1080p) bleibt es bei den 120 Bildern pro Sekunde, die es bereits im Vorgängermodell gab.

Dafür gibt es nun aber serienmäßig ein Touch-Display auf der Rückseite, über welches die Funktionen und Einstellungen der Kamera per Fingerdruck direkt geändert werden können. Rein technisch ist die Hero5 Black also eine Hero4 Black mit der Haptik einer Hero4 Silver.

Die größte Neuerung dürfte aber tatsächlich das Gehäuse der Hero5 Black sein. Anstelle der gewohnten GoPro-Housings mit den wechselbaren Rückklappen (offen und geschlossen, also staub- bzw. wassergeschützt) ist die Hero5 Black nun auch ohne zusätzliches Gehäuse wasserdicht.

Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass man seine teure Actioncam nicht mehr versehentlich versenken kann, wenn man die falsche Rückklappe montiert hat. Leider hat es auch den Nachteil, dass das Schutzglas über der Linse nun fest verbaut ist und im Falle von Kratzern nicht mehr so einfach gewechselt werden kann, indem man einfach ein neues Gehäuse kauft. Zudem führte das zusätzliche Glas auch immer wieder zu mehr oder weniger störenden Reflexionen, wenn man in Richtung heller Lichtquellen (Sonne, Mond, Laternen, Scheinwerfer, etc.) filmte oder fotografierte.

Durch die neue Bauweise ist die Hero5 Black allerdings auch nur noch bis zu einer Wassertiefe von 10 Metern wasserdicht, während es die Vorgängermodelle (dank der zusätzlichen Housings) bis auf 40 bzw. 60 Meter Tiefe brachten. Für die meisten Anwender werden die 10 Meter natürlich auch schon ausreichen, zumal man den großen Vorteil hat, sich nicht mehr um die richtige Rückklappe oder das passende Gehäuse scheren zu müssen. Man macht sie an, klemmt sie sich an und ab geht die Luzi.
Man orientiert sich im Hause GoPro also scheinbar wieder mehr an den tatsächlichen Bedürfnissen des Consumer-Marktes, anstatt den Kunden ein Hardcore-Produkt für Ausnahmesportler schmackhaft zu machen (was ja eine zeitlang auch ganz gut funktionierte).

Offenbar sind die Ingenieure auch nochmal den Platinen und dem ausgeklügelten Heat Management zu Leibe gerückt, haben die Innereien der Kamera aufgeräumt und tatsächlich noch ein Plätzchen für ein GPS-Modul gefunden. Ob man das jetzt braucht oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Gerade für Vielfilmer oder Multi-Kamera-Einsätze kann das von Vorteil sein.

Um das Display und das neue GPS-Modul mit genügend Saft zu versorgen, wurde zusätzlich die Kapazität des Akkus erhöht. Der wechselbare Stromspender befeuert die Hero5 Black nun mit 1220 mAh, was der Kamera eine etwa zehn Minuten längere Laufzeit einbringen dürfte.

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Neue Funktionen:

Die neue GoPro Hero5 Black (das „Black“ scheint nun übrigens für „GoPro mit Display“ zu stehen, denn es gibt keine Silver und auch keine White Edition mehr) hat neben den wenigen technischen Neuerungen einige softwareseitige Finessen spendiert bekommen.

Zum einen ist das ein Videostabilisierer. Da die Bildbewegungen und kleinere Wackler eigentlich schon seit jeher ziemlich gut kompensiert wurden, darf man gespannt sein, wie die neue integrierte Stabilisierung in der Praxis funktioniert. Gerade Actioncams – wegen ihrer kleinen Bauweise und des immensen Bildwinkels – haben schon aus physikalischen Gründen ein großes Problem mit verwackelten Bildern. Denn selbst kleinste Vibrationen oder Wackler führen schnell zu einem äußerst unruhigen Bild. Bei schnellen Downhill-Rennen fällt das nicht auf, aber wer einmal versucht hat, gute GoPro-Aufnahmen aus der Hand zu machen, kennt das Problem.

Ich bin auf jeden Fall neugierig, wie gut der Videostabiliserer in der Praxis funktioniert.

 

RAW!!! Die GoPro Hero5 Black kann endlich Bilder im RAW-Format aufnehmen. Das heißt im Klartext: mehr Gestaltungsspielraum bei der nachträglichen Bildbearbeitung am Computer. Da die Bilder unkomprimiert auf die Speicherkarte geschrieben werden, können größere Bildkorrekturen (z.B. in der Belichtung und Farbkorrektur) auch nachträglich geschehen.

Das hat unter anderem einen immensen Vorteil bei Nachtaufnahmen bzw. Nightlapses, da nun nicht mehr unzählige Testbilder gemacht werden müssen, bis man endlich die richtigen Belichtungs- und ISO-Werte sowie den passenden Bildausschnitt herausgefunden hat, während man beobachten kann, wie die WLAN-Verbindung zur mobilen GoPro-App den Akku der Kamera leer saugt. Man stellt die Kamera nun einfach hin, checkt kurz das Motiv und es kann losgehen.

Auch können die Hero5 Black sowie ihr kleines Schwestermodell, die Hero5 Session, nun per Sprachbefehl gesteuert werden. Mittels Sprachsteuerung können nun Highlight-Tags gesetzt, die Aufnahme gestartet und gestoppt, Fotos gemacht oder Aufnahmemodi geändert werden.

Zusätzlich wurde der Breitbandequalizer des Audioprozessors überarbeitet. Durch das so genannte „Multiband-AGC“ (Automatic Gain Control) wird die Verstärkung des kleinen Kapselmikrofons automatisch auf das optimale Level gebracht. Hat man beispielsweise ein konstantes Windrauschen auf dem Mikro, pegelt die Kamera die betreffenden Frequenzen (wahrscheinlich relativ breitbandig) herunter. Das Ergebnis sollen klarere und definiertere Audioaufnahmen sein. Wie dieses Multiband-AGC in der Praxis funktioniert, bleibt ebenfalls erstmal unbeantwortet, bis ich die Actioncam selbst testen kann.

 

Neuer Preis:

Diese Nachricht dürfte viele Actioncam-Enthusiasten am meisten freuen. GoPro hat kräftig an der Preisschraube gedreht und bietet das neue Modell nun zu einem Einstiegspreis von rund 430 Euro an. Angesichts der üblichen Markteinführungspreise von GoPro, die bisher standardmäßig bei 500 Euro lagen, gehört dieses Novum auf jeden Fall zu den angenehmen Neuerungen. In Anbetracht des gestiegenen Konkurrenzdrucks auf GoPro war das allerdings auch ein allzu notwendiger Schritt.

 

Fotos: gopro.com

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Fotografie
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Moin, ich bin Julian. Mir wurde einmal gesagt, dass Symmetrie die Kunst des kleinen Mannes sei. Deshalb schreibe ich hier in schöner Unregelmäßigkeit über das Reisen, über Fotografie, über Technik und über andere Dinge, die andere vielleicht auch anders sehen.
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